"DOLORES - EIN HELDENLEBEN"?
Oper von Dieter Kaufmann in Klagenfurt
UA am Stadttheater Klagenfurt, 1996
(…) Maria Georg Hofmanns textliche Vorlage ist eine in starken und überzeugenden Bildern gezeichnete Auseinandersetzung mit der Familie als Wurzel und Spiegel der subkutan faschistoid-bürgerlichen Gesellschaft. Der innere und äußerliche gesellschaftliche (familiäre) Druck lastet auf jedem einzelnen. Weder Privat- noch Intimsphäre ist möglich. Nur die Illusion, die Traumwelt eröffnet das einzige Fenster zu einer persönlichen Verwirklichung. Sie ist jedoch von der banalen Realität so weit entfernt, daß nicht einmal eine partielle Verbindung denkbar ist. Diffizile Unterdrückung und versteckte Gewalt gegenüber den "A-normalen" und Schwachen sind allgegenwärtig. Dies bekommt nicht nur der zwerghafte Gabili zu spüren, sondern auch die Töchter der Familie: da sie keinen Beruf erlernen durften, müssen sie heiraten. Wer wen heiratet ist schließlich egal, da die Männer der Wirklichkeit die "Traummänner" nie erreichen. Der Einbruch von Faschismus und Holocaust in die Außenwelt läßt innerhalb der Familie das zutage treten, was unterschwellig bereits vorhanden war: Unterdrückung und Gewalt. Hofmann durchwirkt die Handlung mit teilweise grotesken Passagen. Die lyrisch-clownesken Teile mildern die Holocaust-Thematik nicht; sie sind es, die im Zuschauer jene Betroffenheit auslösen, die dem Themenkreis Faschismus adäquat ist (sein muß). (…)
Wolfgang Benedikt, Österreichische Musikzeitschrift, 6 - 7 / 1996
"DOLORES, EIN HELDENLEBEN: Monumentaltheater in Herzmanovsky'scher Tradition (womit ich ein barockes Erbe meine), das zu lesen (Kraus'sches Welttheater) ein schönes Abenteuer ist."
Dr. Christian Fuchs, Dramaturg am Salzburger Landestheater