Georg Maria Hofmann, Autor von 12 Theaterstücken und 2 Romanen, prägte auch die Kultur Salzburgs durch Gründung und langjährige Leitung der Internationalen Paul Hofhaymer Gesellschaft für Alte und Neue Musik und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Große Verdienstzeichen des Landes Salzburg und das Stadtsiegel in Gold der Stadt Salzburg.
Georg Maria Hofmann
Geb. 17.3.1933 in Györ/Raab, Ungarn, als Maria Hofmann
1943-51 Humanistisches Gymnasium: Matura
Parallel zur Schule ab dem siebten Lebensjahr umfangreiche Musikstudien: Klavier, Schlagzeug, Komposition.
1956 Studienabschluss am Staatlichen Bela Bartok Musikkonservatorium in Budapest.
Im gleichen Jahr, 16. November, Flucht aus Ungarn nach Österreich, kurz darauf Vorsprache bei Prof. Bernhard Paumgartner, aufgenommen zum Studium in dessen Opernregieklasse, ermöglicht durch ein Rockefeller Stipendium.
1959-61 freie Mitarbeit bei zahlreichen deutschen Rundfunk-Fernseh-Anstalten, vor allem in Musiktheaterproduktionen. In dieser Zeit bereits erste Prosastücke in deutscher Sprache. Stipendien der Stadt Hamburg.
1961 kam Hofmann zur Erlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft nach Salzburg zurück und lebte seit dieser Zeit ständig in Salzburg.
1967 Mitglied der Dramatischen Werkstatt Salzburg. Im gleichen Jahr erste Uraufführung in Salzburg: „Wie eine Lilie“, eine dramatische Etüde.
Weitere Uraufführungen folgen:
1979 „Ghiccho und seine Kinder“, Städtische Bühnen Frankfurt,
1984 „Blasius oder man soll die Norm erfüllen, selbst wenn man daran sterben müsste“ beim Steirischen Herbst in der Regie von Wolfgang Bauer.
Weitere Aufführungen Studiobühne Villach, Studiobühne des Volkstheaters Wien, etc., in Deutschland in München und Celle, Schlosstheater.
1987 „Die drei Weisen und der Knecht“, Kefka-Theater Köln
1994 „Die Süchtigen“, lyrische Komödie, als work in progress, Schauspiel und Hochschule Graz
1996 „Dolores ein Heldenleben oder Jedem sein‘ Krieg“ als Musiktheater (Komponist: Dieter Kaufmann) im Stadttheater Klagenfurt, Regie: Olivier Tambosi.
2003 „Bulgakow, der Dichter und sein Diktator“, Komödie, am Salzburger Landestheater
1976 Gründung der Internationalen Paul Hofhaymer Gesellschaft für Alte Musik. Ab 1981 Erweiterung durch die Konzertreihe „Alte und Neue Musik“ als Dialog-Gegenüberstellung, welche bis Mitte 2007 mehr als 60 Projekte und über 50 Uraufführungen (darunter 44 Auftragswerke) zustandegebracht hat.
1997 Verleihung des Berufstitels Professor durch den österreichischen Bundespräsidenten als Würdigung der Arbeit für die Hofhaymer Gesellschaft.
2007 Verleihung des Stadtsiegels der Stadt Salzburg in Gold als Würdigung der Verdienste um das kulturelle Leben der Stadt.
2009 Verleihung des Großen Verdienstzeichens des Landes in Anerkennung der besonderen Verdienste um das Land Salzburg
1995 Roman „Der Auftritt des linkshändigen Dichters Alexander Galajda“, erschienen beim Otto-Müller-Verlag, Salzburg.
1996 Aufnahme des Romans in die Bestenliste des Südwestfunks Baden-Baden.
2005 Übersetzung in ungarische Sprache beim Europa-Verlag Budapest.
2006 Präsentation des Romans in Hofmanns Geburtsstadt Györ
2022 Roman „Das Kind mit den sieben Namen“, erschienen beim Frieling-Verlag, Berlin.
Im Jahr 2020 Personenstandsänderung von weiblich auf männlich aufgrund bestehender Transidentität.
Verstorben in Salzburg am 27. April 2024
Vater aller Dinge, Krieg - eine Biographie
Der 1. Weltkrieg, an welchem teilzunehmen für meinen Großvater die höchste Aufgabe war: Kaiser, Monarchie und die eigene Heimat Ungarn zu verteidigen (woran er phsychisch, physisch und existentiell zugrunde ging), ist für mich der Anfang eines 30-jährigen Krieges des 20. Jahrhunderts, dessen zweite Hälfte ich unter Bombenregen erleben durfte.
Der Ausbruch des 2. Weltkrieges im September 1939 war zugleich mein erster Schultag. Der Krieg war und ist mein Lehrmeister. Quasi als Ausgleich zu den Kriegsereignissen war meine Schule exzellent, der jüdische Kinderarzt, bis er nicht von den Nazischergen umgebracht wurde, mein hellhöriger Schutzengel, der Musikunterricht bereits in der Kindheit sehr gut; die Benediktinerpatres als Vermittler der Mythologie und großer klassischer Dichtung - gleich verwendbar, die Kriegsereignisse zu entschlüsseln - von besonderer Qualität. Durch Homer wurde einem der Gedanke nahegebracht, dass das Leben mit dem Krieg gleichzusetzen ist.
Die drei Unrechtsstaaten, die ich bis zu meiner Flucht nach Österreich 1956 erleben durfte: Ungarn unter Horthy, Ungarn unter Szálasi zugleich Ungarn unter deutscher Besetzung, dann Ungarn in der Stalin-Diktatur, haben den Blick auf die Gesellschaft geschärft und erlauben mir keinen anderen Weltblick als den satirischen über die Absurdität des Lebens der Einzelnen im Chaos der leicht verführbaren Massen, allenfalls unterbrochen durch einzelne harmonische Elemente, wie ich das selbst erlebt habe: Freundschaften, Liebschaften (in meinem Stück "Bulgakow" liebt der Dichter mitten im Wahnsinnsterror nacheinander drei Frauen heiß), Bücher der Weltliteratur waren billig zugänglich, Studium der Musik in mehreren Hauptfächern sehr qualitativ, streng und gratis. Mein urspünglicher Wunsch wäre allerdings Architektur gewesen. Hier hat der Staat einen Strich durch die Rechnung gemacht: mein Vater war in den stalinistischen Jahren politisch nicht verlässlich genug, wir galten als bourgeois.
In der ganz frühen Kindheit bin ich im Kino meinem großen Idol auf dem Gebiet der Dramatik, Charlie Chaplin, begegnet. Der Film konnte auch in Györ genauso Weltklasse sein, als säße man in New York im Kino.
Während des ungarischen Aufstandes 1956 kam ich illegal über die Grenze, wohl wissend, dass ein Jahr früher der österreichische Staatsvertrag abgeschlossen worden war. Ohne diese Voraussetzung hätte man allenfalls aus der einen Sowjet-Zone in die nächste Sowjet-Zone "flüchten" können. Nach meiner Flucht bekam ich durch Bernhard Paumgartner ein Rockefeller Stipendium für seine Opernregieklasse zur Ermöglichung eines post.-grad. Studiums. Im April 1959 war ich bereits beim Norddeutschen Rundfunk, Television, Musikabteilung, dann in freier Mitarbeit bei allen deutschen Rundfunkanstalten, bis auf Berlin, tätig.
Das Schreiben war gleich nach der Flucht meine Maßnahme, die mangelhafte Beherrschung der deutschen Sprache zu überwinden. Hierbei half mir die s.g. Salzburger Dramatische Werkstatt. Mein erstes Hörspiel kam 1961 beim ORF-Graz heraus, mit dem bezeichnenden Titel "Ein Missverständnis". Mein Bühnendebüt im Schauspielhaus Frankfurt am Main im Rahmen eines Surrealisten-Projektes neben Autoren wie: Artaud, Beckett, Benn, Fo, Laing etc. im November 1979, "Ghiccho und seine Kinder", ein modernes Märchen gegen die bedrohlich wachsende Bevölkerungszahl der Erde.
Mein harmlos scheinendes Zwei-Personen-Stück "Blasius", komische Tragödie für Mutter und Sohn, uraufgeführt beim Steirischen Herbst 1984, wurde von der Studio-Bühne Villach übernommen und von dortaus in acht Städte der damaligen DDR eingeladen und dann mit dem Hinweis ausgeladen, dass das eine versteckte Satire auf den Staat und seine Untertanen sei: Mama als Staat dreht den Sohn, das Volk, durch den Fleischwolf. Das war bisher das schönste Kompliment, das ich auf eines meiner Stücke bekommen konnte.
G.M.Hofmann, 2005